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Harmas de Fabre : collections d'insectes du cabinet de travail © MNHN - Agnès Iatzoura

Wissenschaftliche Arbeiten

Unter den vielen Gebieten, mit denen sich Jean-Henri Fabre befasste, gibt es einige, in denen der Wissenschaftler zu frühen Entdeckungen gelangt ist.

Ethologie und biologische Schädlingsbekämpfung

Fabre betrachtete den Harmas als das Paradies der Hymenoptera, Insektenordnungen mit zwei Membranflügelpaaren, aus denen Ameisen, Bienen und Wespen hervorgegangen sind.

Im Laufe seiner Arbeit entdeckt der Entomologe ihre Rolle als Vernichter anderer Arten und schuf damit die Grundlagen des biologischen Landbaus, bei dem eine Art verwendet wird, um eine andere zu beseitigen.

Unter Fabres Forschungen zu Hymenoptera ist sein „Lieblingsfall“ eine Studie über die Sorgfalt, mit der sich einige Grabwespen um ihre Nachkommen kümmern. Sie legen Vorräte gelähmter Insekten an, um ihre Larven zu ernähren. Sein Interesse an dieser Besonderheit wurde durch die Arbeiten von Léon Dufour, dem ersten großen französischen Entomologen, geweckt (siehe Artikel in Pour la science).

Les effluves

Fabre interessierte sich auch für das Fortpflanzungsverhalten von Schmetterlingen und insbesondere für das des Wiener Nachtpfauenauges.

„Das Männchen mit seinen hochentwickelten Antennen ist in der Lage, ein Weibchen in bis zu zehn Kilometern Entfernung ausfindig machen. Beim Studium der Schmetterlinge in seinem Arbeitszimmer beobachtet Fabre, dass ein weibliches Nachtpfauenauge, das am Morgen geboren und „sofort (...) unter einer Metallglocke untergebracht“ wurde, am Abend um die vierzig männlichen Exemplare aus allen Himmelsrichtungen angezogen hat. Wird das Weibchen einer hermetischen Box untergebracht, zieht es jedoch kein Männchen mehr an.“

Nach diesen Beobachtungen fragt sich Fabre:

„Gibt es (...) Duftstoffe ähnlich derer, die wir Gerüche nennen, Duftstoffe von extremer Subtilität, die wir nicht wahrnehmen können?“

Entomologische Erinnerungen, 7. Serie, S. 374, Paris, Delagrave, 1925.

Der Naturforscher hat somit die Produktion eines Sexualpheromons durch den weiblichen Schmetterling sowie die olfaktorische Rolle der Antennen nachgewiesen.

„Es war ein unvergesslicher Abend. Ich werde ihn den Abend des Wiener Nachtpfauenauges nennen [...], dieses wunderschönen Schmetterlings, des größten Europas, gekleidet in braunem Samt und weiße Fellkrawatte. Die mit Grau und Braun gesprenkelten Flügel [...] haben in der Mitte ein großes, schillerndes Auge, [...] das aus schwarzen, weißen, kastanienfarbigen und amaranthroten Bögen gebildet wird.

Nicht weniger bemerkenswert ist die Raupe, in einem undefinierbaren Gelb, [...] deren robuster brauner Kokon normalerweise auf der Rinde am unteren Teil alter Mandelbäume sitzt. Das Laub dieses Baums füttert auch die Raupe.

Am Morgen des 6. Mai schlüpfte ein weiblicher Schmetterling in meiner Gegenwart auf dem Tisch meines Tierlabors aus seinem Kokon. Ich legte ihn sofort unter eine [...] Metallglocke, aus Gewohnheit und zu Beobachtungszwecken. [...] Und ich tat gut daran ... Gegen neun Uhr abends, die Familie war auf dem Weg ins Bett, bemerkten wir im Raum neben dem meinem ein großes Tohuwabohu. [...] Mein Sohn Paul gin nachsehen, kam zurückgerannt und hüpfte vor Aufregung von einem Fuß auf den anderen [...]. „Komm schnell“, rief er. „Komm und schau dir diese Schmetterlinge an, so groß wie Vögel!“ Das Zimmer ist voll von ihnen!

Mit einer Kerze in der Hand betraten wir den Raum. Was wir dann sahen, war unvergesslich. Mit sanftem Flügelschlag flogen die großen Schmetterlinge um die Glocke. [...] Wie viele waren es? Von allen Seiten kommend und ich weiß nicht wodurch angezogen, hatten sich hier tatsächlich vierzig Liebende eingefunden, um der am Morgen im Verborgenen meines Arbeitszimmers geborenen Schmetterlingsdame eifrig ihre Huldigung darzubringen.“

Entomologische Erinnerungen, 7. Serie, S. 363 / 364 / 365, Paris, Delagrave, 1925.

Grand Paon de nuit © Wikimedia commons

Das Gedächtnis der Tiere

„Es scheint, als gäbe es im Insekt etwas Subtileres als das einfache Gedächtnis, eine Art Intuition der Orte, wie sie der Mensch nicht besitzt. Eine undefinierbare Fähigkeit, die ich als Gedächtnis bezeichne, weil es dafür keinen anderen Ausdruck gibt. Das Unbekannte kann noch keinen Namen haben.“

Entomologische Erinnerungen, 1. Serie, S. 303, Paris, Delagrave, 1925.

„Um all diese Geheimnisse zu erklären, muss man eine geheime Fähigkeit in Erwägung ziehen, eine besondere Sensibilität, die der menschlichen Natur verweigert wurde. Charles Darwin, dessen große Autorität von niemandem in Frage gestellt wird, kommt zu dem gleichen Ergebnis. Man muss sich fragen, ob das Tier nicht von Erdströmen oder durch die Nähe der Magnetnadel beeinflusst wird, [...] eine magnetische Empfindlichkeit besitzt? [...] Ich spreche vom Magnetismus der Physiker [...] und nicht vom Magnetismus eines Mesmer oder Cagliostro. “

So gelangt Fabre zu dem Schluss, dass „es einen besonderen Sinn gibt, der uns so fremd ist, dass wir davon keine Ahnung haben können“, der die Taube, die Schwalbe, die Katze, die schwarze Mörtelbiene und viele andere in fremden Gebieten leitet. Es ist nicht an mir zu entscheiden, ob dieser Sinn magnetisch ist oder nicht. Ich bin zufrieden damit, zu einem nicht geringen Teil dazu beigetragen zu haben, seine Existenz zu beweisen. “

Entomologische Erinnerungen, 2. Serie, S. 143, Paris, Delagrave, 1925.

Praticien du mesmérisme utilisant le magnétisme animal, Wood engraving, Franz Anton © Wellcomelibrary

Der Instinkt

Aus seinen Beobachtungen zieht der Naturforscher den Schluss, dass das Verhalten von Insekten durch Instinkt gesteuert ist, eine Art innerer Kraft, die aus der Schöpfung entstanden ist. Ihm zufolge „weiß das Tier alles auf den unabänderlichen Wegen, die ihm vorgegeben sind; es weiß nichts außerhalb dieser Wege.“
Seine Forschung diente als Ausgangspunkt für Bergsons Arbeiten zu diesem Thema.

„Der Instinkt, der durch einen zufälligen, für das Tier günstigen Vorgang entsteht, ist eine erworbene Gewohnheit. Man argumentiert mit der Selektion, dem Atavismus, dem Kampf ums Leben (Struggle for life). Ich sehe große Worte, aber ich ziehe ein paar kleine Fakten vor. Diese kleinen Fakten sammle ich seit fast vierzig Jahren und befrage sie. Und sie antworten mir nicht ganz im Sinn der geläufigen Theorien. “

Entomologische Erinnerungen, 2. Serie, S. 51, Paris, Delagrave, 1925.

„Das Tier weiß alles auf den unabänderlichen Wegen, die ihm vorgegeben sind; es weiß nichts außerhalb dieser Wege. Erhabenes Wissen und verblüffende Dummheit sind gleichermaßen sein Los, je nachdem, ob das Tier sich unter normalen oder unter [...] abweichenden Bedingungen bewegt. “

Entomologische Erinnerungen, 2. Serie, S. 208, Paris, Delagrave, 1925.